Wissensmanagement im Entstehungsprozess eines selbstorganisierten Wohnprojekts

Teil 4 Internes Wissen (weiter-) entwickeln

von Claudia Handl, Bielefeld (Stand: 27.09.2022)

In Teil 2 der Artikelreihe wurde der Wissensbedarf ermittelt, in Teil 3 das interne – meist nicht wohnprojektspezifische – Wissen identifiziert. Nun soll gezeigt werden, wie das spezielle Wissen über Wohnprojekte entwickelt werden kann.

Vielfalt der Wissensquellen

Eine der ersten Entdeckungsreisen zu neuen Wohnformen findet meist im Internet statt. Das ist richtig und gut, denn das Internet ist mittlerweile eine sprudelnde Quelle von Wissen über Wohnprojekte. Ebenso hilfreich sind aber auch die Literatur zum gemeinschaftlichen Wohnen, die Beratungsmöglichkeiten und nicht zuletzt der reichhaltige Wissensschatz der bereits realisierten Wohnprojekte.

So gibt es sehr viel zu lesen, aber auch viel zu hören, zu sehen, zu diskutieren und zu erleben.

Wissensquellen im Überblick

Im Folgenden wird der Versuch unternommen, einen systematischen Überblick über die Wissensquellen zu geben.

Einen guten Einstieg in das Thema bietet die Broschüre der Stiftung trias:

Ein Wohnprojekt starten … Entwicklung Freiraum bieten

Eine zugleich umfassende und konkrete Orientierungshilfe bietet das Buch von Eva Stützel:

Der Gemeinschaftskompass

An den Entwicklungsphasen eines Wohnprojekts orientiert ist der

Leitfaden für Gruppenwohnprojekte

Viele Interviews mit Fachleuten und Erfahrenen enthält das Buch von Lisa Frohn:

Ab ins Wohnprojekt

Die Erfolgsfaktoren im Entstehungsprozess gemeinschaftlichen Wohnens untersuchten Annette Spellerberg u.a.:

Neue Wohnformen – gemeinschaftlich und genossenschaftlich

Darüber hinaus gibt es im Internet eine Vielzahl von Überblicken zu finden, hier eine Auswahl:

Forum gemeinschaftliches Wohnen: umfangreiche Materialsammlung zu einer Vielzahl von Fragen im Entstehungsprozess, z.B. auch Projektphasen, Meilensteine, Konzeptentwicklung, Gründungstipps

Netzwerk Leipziger Freiheit: Von der Idee zur Umsetzung – ein kleiner Leitfaden für Wohnprojektinitiativen

Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen: Innovative Wohnformen

Forum gemeinschaftliches Wohnen: Potenziale gemeinschaftlicher Wohnformen – eine Bilanz

mitbauzentrale München: Bausteine eines Wohnprojekts

Überregionale Organisationen mit vielfältigem Angebot:

Forum gemeinschaftliches Wohnen

Stiftung trias

Wohnbund

Netzwerk Immovilien

Mietshäuser Syndikat

Das Forum gemeinschaftliches Wohnen ist zusätzlich auch regional aktiv, z.B.

mit dem

Niedersachsenbüro

oder den

Regionalstellen

In größeren Städten gibt es Netzwerke von gemeinschaftlichen Wohnprojekten. Diese bieten oft auch Materialien an, die nicht nur für die Region, sondern bundesweit  interessant sind, z.B.

Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen

Netzwerk Leipziger Freiheit

Wohnprojektmentoren Hannover

Eine umfangreiche Sammlung von Wissen über gemeinschaftliche Wohnprojekte entsteht beim

Forum gemeinschaftliches Wohnen: WIN für Gemeinschaftliches Wohnen

Ebenfalls sehr breit ist das Wissensangebot von der

Stiftung Trias: DAS Nachschlagewerk für gemeinschaftliches Wohnen

Informationen verschiedener Art bietet das

Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen: Informationen

Sehr viele Arbeitshilfen sind zu finden beim

Netzwerk Immovilien: Arbeitshilfen

Eine ausführliche Liste von Videoangeboten gibt es beim Forum gemeinschaftliches Wohnen:

Videobeiträge zum Gemeinschaftlichen Wohnen und verwandten Themen

Das Forum gemeinschaftliches Wohnen stellt auch eigene Videos bereit:

Youtube-Kanal

Das Ökodorf Sieben Linden hat einen eigenen Podcast gestartet:

Ökodorf-Podcast

Um über aktuelle Angebote und Entwicklungen informiert zu sein, lohnt sich das Abonnieren von Newslettern, z.B.

Forum gemeinschaftliches Wohnen : Newsletter

Stiftung Trias: Rundbrief

Wohnbund: Newsletter

Niedersachsenbüro: Newsletter

Netzwerk Immovilien: Newsletter

Das Forum gemeinschaftliches Wohnen hat viele Angebote zusammengestellt:

Beratungskompass

Das Forum gemeinschaftliches Wohnen baut auf seiner WIN-Plattform gerade einen digitalen Lernbereich auf.

Der Wohnbund plant Werkstattseminare.

Eva Stützel bietet Seminare, insbesondere zum Gemeinschaftskompass an.

Bring together bietet Kurse an.

Realisierte Wohnprojekte teilen gerne ihr Wissen. Sie bieten Gespräche mit Wohnenden und auch Besichtigungen an. In einigen Städten bzw. Regionen haben sie sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Die Wohnprojekte und/oder das Netzwerk haben oft eine eigene Website,

Das Bielefelder Netzwerk hat einige

“Erfahrungen von A-Z”

zusammengestellt.

Einige Kommunen bieten Treffen für Wohnprojektinteressierte an, bei denen auch realisierte Wohnprojekte vertreten sind und ihre Erfahrungen teilen, z.B. in

Bielefeld.

Regionale Organisationen bieten “Tage der offenen Wohnprojekte” an, in der aktuellen Pandemiezeit auch digital und zum Nachschauen, z.B. in

Frankfurt.

Bundesweite Organisationen bieten Wohnprojektbörsen bzw. -portale an, über die Kontakt zu anderen Wohnprojekten aufgenommen werden kann.

Forum gemeinschaftliches Wohnen

Stiftung trias

Einige Verbände, Netzwerke und andere Organisationen bieten Fachtagungen und Ausstellungen an. Auf regionaler Ebene erfolgt das häufig in Zusammenarbeit mit der Stadt bzw. dem Kreis. Und manchmal in Verbindung mit der Besichtigung mehrerer Wohnprojekte.

Oft werden auch umfangreiche Dokumentationen der Fachtagungen zur Verfügung gestellt, z.B.

Wohnprojektetage NRW

Leipziger Wohnprojekttage

Es gibt auch spezielle Angebote zu einelnen Fragestellungen, z.B.

Konzeptverfahren

Erfahrungsaustausch Konzeptverfahren

Selbsteinschätzung

Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen

Wohnprojektmentoren Hannover

Gemeinschaftsraum

Broschüre der Stiftung trias:

Der Gemeinschaftsraum in Wohnprojekten

Weitere spezielle Themen finden sich auch in den oben aufgeführten “Wissenssammlungen”.

Nicht zu vernachlässigen sind Publikationen und Organisationen, die sich nicht speziell auf Wohnprojekte beziehen, aber auch für diese sehr hilfreich sind, z.B.:

Vereinsrecht und -arbeit

House of Ressources Berlin:

Leitfaden zur Vereinsgründung

Die Stiftung für Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement Mecklenburg-Vorpommern:

Informationsbroschüre für eingetragene Vereine

Landeswerk bürgerschaftliches Engagement Bayern:

Vereinswiki

Wegweiser Bürgergesellschaft:

Arbeit im Verein

(Selbst-) Organisation

Die Stiftung für Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement Mecklenburg-Vorpommern:

Ein Handbuch für Organisationsentwicklung im Verein

Urban Equipe und Kollektiv Raumstation (Hrsg.):

Organisiert euch! Zusammen die Stadt verändern

Tu Gutes und erzähl davon:

Erzähl davon

Die Nonprofitkiste

Die Nonprofitkiste

Übergeordnete Organisationen

Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt

mit einem großen Angebot an Webinaren

und Informationen über Fördermöglichkeiten

Natürlich gibt es noch viel mehr Publikationen als hier genannt, zu finden z.B. in folgenden Listen:

Forum gemeinschaftliches Wohnen: Publikationen

Stiftung Trias: Publikationen

Wohnprojekte-Portal: Literatur

Wohnbund: Publikationen

Niedersachsenbüro: Infomaterial

Wissenserwerb als Bestandteil der Selbstorganisation

Wie kann im Entstehungsprozess die Entwicklung von speziellem Wohnprojektwissen systematisch organisiert werden?

Der Wissensbedarf entsteht vor allem in den Arbeitsgruppen. Gebildet haben sich diese in Abhängigkeit von den anstehenden Aufgaben und Fragestellungen. Die Mitglieder der einzelnen Arbeitsgruppen sind idealerweise “gematcht” (siehe Teil 3 der Artikelreihe).

Die einzelne Arbeitsgruppe sollte ihre aktuelle(n) Fragestellung(en) konkret benennen. Darauf aufbauend könnte sie, ggf. unterstützt durch das Wissensmanagement-Team, passende Wissensquellen zusammenstellen, arbeitsteilig auswerten und die Ergebnisse zusammentragen.

Der Wissenserwerb wird dadurch zu einem Bestandteil der Selbstorganisation insgesamt.

Wie geht es weiter?

Die Ausführungen haben gezeigt, dass in der Welt gemeinschaftlicher Wohnprojekte viel Wissen geteilt wird. Neu entstehende Wohnprojekte profitieren davon, können sie doch dadurch ihr eigenes Wissen aufbauen. Allerdings ist das mit einem sehr hohen zeitlichen Aufwand für die Wohnprojektmitglieder verbunden. Es stellt sich daher die Frage, ob und inwieweit es sinnvoll sein kann, für bestimmte Aufgaben auf die Aneignung eigenen Wissens zu verzichten und stattdessen externe Dienstleistungen zu beauftragen. Dazu mehr im Teil 5 der Artikelreihe.

In einer Übersicht sind alle Teile der Artikelreihe verlinkt.