Öffentlichkeitsarbeit gestalten

Text: Monika

Gemeinschaftlich wohnen, geht das und will ich das? Du hast Fernsehberichte gesehen, Presseartikel und Bücher gelesen, im Freund*innenkreis diskutiert, dich vielleicht beruflich mit dem Thema befasst oder bist sonst wie auf das Thema gestoßen.

Du bist in dich gegangen, ob diese Idee wirklich etwas für dich ist (Link Fragebogen PdF) und hast beschlossen, dich erst einmal vor Ort umzuschauen, was es gibt.

Nun, du wohnst in Bielefeld! Hier hast du das Glück, dass du eine gewisse Infrastruktur des gemeinschaftlichen Wohnens nutzen kannst!

Ein erster Anlaufpunkt ist die Stadt Bielefeld. Alle drei Monate findet ein Interessent*innentreffen (Link zur Stadt Bi.) statt. Hier kannst du Gleichgesinnte kennenlernen und über gemeinschaftliches Wohnen gemeinsam nachdenken. In der Regel kommen auch Mitglieder unseres Vereins zu diesen Treffen, die ihre Erfahrungen gerne weitergeben.

Auch, wenn du noch keine genauen Vorstellungen hast, welche Idee vom gemeinschaftlichen Wohnen die deine ist, sind diese Treffen ein weiterer Schritt zur Klarheit. Die Idee des gemeinsamen Wohnens entwickelt sich auch gemeinschaftlich!

Tue dich mit einigen dir sympathischen Menschen zusammen, die ähnlich denken, lernt euch bei diversen Unternehmungen kennen und überlegt gemeinsam weiter. Falls du bei diesen Treffen nicht fündig geworden bist, haben Kleinanzeigen oft eine große Wirkung…

Es ist geschafft! Ihr habt jetzt eine Kerngruppe, die ein Projekt in Angriff nehmen möchte. Ab diesem Zeitpunkt ist es ratsam, an einer ersten Gruppenkultur (Link PdF) zu feilen. Wie gehen wir miteinander um, welche Arbeitsweise wollen wir pflegen, wie werden Entscheidungen getroffen? Die hier investierte Zeit zahlt sich später aus, da die Verständigung über diese Themen den für das gemeinschaftliche Planen und Bauen erforderlichen Beziehungsaufbau stärkt.

Im Projektverlauf ist es ratsam nach jedem Meilenstein, den das Projekt geschafft hat, die Gruppenkultur neu zu verhandeln. Meilensteine können sein: die Gruppe vergrößert sich, die Projektidee hat sich konkretisiert, das erste Konzept ist fertig, die Rechtsform für das Projekt ist gefunden, das Finanzierungskonzept steht, das Grundstück ist gefunden, die ersten Architekturpläne liegen vor, die Bauphase startet, die Wohnphase beginnt. Aber auch Rückschläge im Projektverlauf sind Meilensteine!

Wenn die Gruppe eine gewisse Größe erreicht hat, wird es notwendig sein, die Gruppentreffen aus den privaten Wohnungen in einen größeren Raum zu verlegen. In allen Bielefelder Wohnprojekten (Link Wohnprojekte) gibt es Gemeinschaftsräume, die gegen einen geringen Preis für die Treffen angemietet werden können. Entstehende Gruppen sind gern gesehene Gäste! Zudem wäre dies eine gute Gelegenheit, andere Wohnprojekte kennenzulernen und anzusehen.

Eure Gruppe hat eine erste Vorstellung über das Wohnprojekt entwickelt? Dies ist ein guter Zeitpunkt mit der Wohnprojektberatung der Stadt Bielefeld (Link zur Stadt Bi.) Kontakt aufzunehmen.

Hier bekommt ihr Informationen darüber, wo, wie und mit wem im Stadtgebiet ein Wohnprojekt angesiedelt werden könnte. Auch kann eure Gruppe in die auf der Bielefelder Website veröffentlichte Liste der geplanten Wohnprojekte aufgenommen werden.

Text: Monika

Das Konzept ist einer der ersten Meilensteine im Leben eines Wohnprojekts. Die bis dato vorhandenen Wohnprojekt-Interessierten haben einander kennengelernt, sich über Gestaltungsmöglichkeiten von Wohnprojekten informiert und sich über Grundvoraussetzungen ihres Zusammenlebens und ihres künftigen Wohnens vorläufig verständigt.

Bei der Konzeptentwicklung werden diese bisherigen Überlegungen in eine Form gebracht. Ziel ist, ein verbindliches Grundgerüst des künftigen Wohnprojekts gemeinsam zu erstellen.

Das Kurz-Konzept

Das erste Kurzkonzept (Link PdF) muss noch nicht alle Aspekte der künftigen Lebensgemeinschaft enthalten. Wichtig sind eine Beschreibung der Grundlage des Zusammenlebens (ökologisch, spirituell, generationsübergreifend etc.), der angestrebten Wohnsituation (Miete, Eigentum, Genossenschaftsformen etc.), der Lage (Innenstadt, Randbezirk etc.), der Anzahl der Wohnungen und – wichtig bei selbst finanzierten Projekten -, der vorhandenen finanziellen Ressourcen.

Das Kurzkonzept dient als Gesprächsgrundlage für die Mitbewohner*innensuche, die ersten Gespräche mit Beratungsstellen, der Stadt Bielefeld und potenziellen Kooperationspartnern.

Das ausführliche Konzept

Je konkreter das Wohnprojekt wird, desto konkreter sollte auch das Konzept werden.

Hier (Link Konzeptpunkte PdF) findet ihr ein mögliches Raster mit Aspekten, über die ihr euch Gedanken machen könnt.

Um Förderungen zu erhalten oder in vorhandene Bauprojekte einzusteigen, müssen unter Umständen einige Vorstellungen gestrichen oder andere neu aufgenommen werden. Das Konzept muss ggf. der neuen Situation angepasst werden. In der Stadt Bielefeld gibt es seit Ende 2021 eine Richtlinie zu Vergabekriterien für Wohnbaugrundstücke (Link Baulandstrategie). Diese wurde im Rahmen der Baulandstrategie erarbeitet und soll künftig bei allen städtischen Vorhaben Anwendung finden.

Text: Claudia

Der Start in ein gemeinschaftliches Wohnprojekt ist von Aufbruchstimmung und Begeisterung geprägt. Die dann folgende Selbstorganisation ist allerdings eine große Herausforderung. Es zeigt sich sehr schnell, dass ein Wohnprojekt eine lernende Organisation ist: Angefangen von der Gruppenbildung über die Schaffung der geeigneten Rechtsform bis zur Begleitung der Bauphase – Bei der Entwicklung eines Wohnprojekts sind komplexe Aufgaben und Fragstellungen zu bewältigen und es entwickelt sich sehr schnell umfangreiches Fach- und Erfahrungswissen.

Die Entstehung und Sammlung dieses Wissen kann unstrukturiert, aber auch systematisch und vorausschauend erfolgen. Letzteres Vorgehen ist zielführender, denn es spart Zeit und fördert die Transparenz und die Professionalität der Aktivitäten und Entscheidungen. Es nennt sich Wissensmanagement und besteht aus verschiedenen Bausteinen:

Was wir wissen müssen

Ein erster Baustein ist, sich Art und Umfang der Wissensbedarfe (Link) bewusst zu werden. Ein (Kurz-) Konzept (Link) ist möglicherweise schon erstellt, die wesentlichen Aufgabenbereiche und damit Wissensbedarfe sind daraus ableitbar. Entstehende Wohnprojekte sollten sich in diesem Zusammenhang bewusst machen, dass je mehr Selbstorganisation gewünscht wird, desto mehr Wissen erforderlich ist.

Wir nutzen unseren Ressourcenschatz

Ein darauf aufbauender Baustein hat das Ziel, vorhandene (Wissens-) Ressourcen zu identifizieren (Link). Diese gilt es zu entdecken und passend einzusetzen. Nach Eva Stützel kann sich eine Gemeinschaft dann konstruktiv entfalten, wenn die Menschen Aufgaben haben, „die zu ihnen passen, an denen sie sich ausleben können und an denen sie wachsen können.“ Geeignete Verfahren sind z.B. Fragebögen und Interviews, z.B. ein spezielles Ressourcen-Interview (Link) für Wohnprojekte.

Wir machen uns gemeinsam schlau

Trotz des großen Ressourcenschatzes werden dadurch nicht alle Wissensbedarfe gedeckt werden können, insbesondere nicht, soweit es sich um ganz spezielles Wohnprojekte-Wissen handelt. Aber das macht erstmal nichts, denn es gibt in den Medien aller Art umfangreiche Sammlungen von Wissen zum Thema Wohnprojekte. Auf dieser Basis kann in einem weiteren Baustein das interne Wissen weiterentwickelt werden (Link). Auf dieser Seite findet sich eine systematische Sammlung von Wissensquellen (Link.) Noch viel umfangreicher ist die Wissensplattform „WIN für Gemeinschaftliches Wohnen“ (Link) des Forums Gemeinschaftliches Wohnen.

Expertenwissen macht manches einfacher

Es ist normal, dass nicht der gesamte Wissensbedarf durch die Gruppe selbst gedeckt werden kann. Es kann sinnvoll sein, einen ergänzenden Baustein einzusetzen und auch externe Beratung zuzulassen (Link). Je früher das erkannt wird, desto geringer ist die Gefahr, dass die Gruppenmitglieder an den Rand einer Überforderung geraten und dadurch das Wohnprojekt gefährdet wird. Natürlich ist es immer auch ein Abwägen von Kosten und Nutzen.

Gemeinschaftlich wohnen heißt gemeinschaftlich wissen

Mit dem Wohnprojekt entsteht die gesamte Zeit Wissen, sowohl Fach- und Erfahrungswissen als auch Wissen über das eigene Wohnprojekt: Was ist unser Konzept? Welche Rechtsform haben wir gewählt und warum? Wann haben wir was entschieden? Welche AGs haben wir gebildet? Welche Verträge haben wir abgeschlossen? … Damit hier Transparenz und Aktualität sichergestellt werden und keine Wissenshierarchie entsteht, gibt es den Baustein „Wissen speichern“ (Link). Hilfreich kann dabei die (Mit-) Entwicklung eines Projekthandbuches (Link) sein. Auch für Wohnprojekte, deren Essenz ja eigentlich die persönliche Begegnung ist, bieten sich eine Vielzahl von digitalen Tools (Link) an.

Wissen zu verschenken

Über ein Projekthandbuch wird das Wissen über das Wohnprojekt innerhalb der Gruppe nicht nur gespeichert, sondern auch geteilt. Gerade für länger zurückliegende Prozesse, aber auch für neue Gruppenmitglieder ist das von großem Interesse. Wissen teilen (Link) ist aber zusätzlich auf vielen anderen Ebenen denkbar und notwendig, insbesondere auch zwischen den Wohnprojekten.

So geht der riesige Erfahrungsschatz, den sich ein Wohnprojekt angeeignet hat, nicht verloren und kommt anderen Wohnprojekten zugute. Nicht zuletzt sind Wohnprojekte immer auch Demokratieprojekte.

Text: Claudia

Erste Konzeptideen sind möglicherweise schon vorhanden. Spätestens jetzt ist es hilfreich und notwendig, sich einen ersten Überblick über Rechtsform und Finanzierung des Wohnprojekts zu machen.

Sehr schnell wird klar, dass es keine Blaupause gibt. Es zeigt sich aber auch, dass die rechtlichen Vorschriften und unterschiedlichsten Wege der Finanzierung sehr viel Gestaltungsraum bieten, so dass grundsätzlich auch kreative und innovative Wohnprojektzielen in eine passende rechtliche und finanzielle Struktur gepackt werden können. Es ist deshalb sinnvoll, alles zusammen zu denken.

Welche Rechtsform passt zu uns?

Es gibt Tabellen, in denen die möglichen Rechtsformen anhand ihrer allgemeinen Eigenschaften gegenübergestellt werden. Diese sind gut und wichtig.  Mindestens genauso wichtig ist es aber, die Rechtsformen anhand der konkret gewünschten Vorstellungen des jeweiligen Wohnprojekts zu vergleichen. Diese können z.B. sein:

  • Wollen wir Eigentum erwerben? Soll es sich um individuelles oder um gemeinschaftliches Eigentum handeln? Wie unterscheiden sich hier die Rechtsformen?
  • Wollen wir zur Miete wohnen? Welche Rechtsform eignet sich besonders, die Bezahlbarkeit der Miete sicherzustellen?
  • Wie wichtig ist es uns, dass wir auch bei einem Nutzerwechsel Einfluss darauf haben, wer nachfolgt? Welche Rechtsform ermöglicht das besonders gut?
  • Wie wichtig ist uns ein solidarisches Miteinander? Welche Rechtsformen bieten sich hierfür an?
  • Wie selbstorganisiert wollen wir sein? Ist hier jede Rechtsform geeignet?

Die selbstorganisierten gemeinschaftlichen Wohnprojekte in Bielefeld haben sehr unterschiedliche Rechtsformen, teilweise auch mehrere Rechtsformen für unterschiedliche Aufgabenbereiche. In der Beschreibung der Wohnprojekte auf der Website des Bielefelder Netzwerks (Link) finden sich dazu konkrete Informationen. Bei Bedarf nach weiterer Erläuterung kann jeweils Kontakt zu dem Wohnprojekt aufgenommen werden.

Was sollten wir bei der Finanzierung bedenken?

Auch bei Fragen der Finanzierung spielen die jeweiligen Wohnprojektmerkmale bzw. -ziele eine entscheidende Rolle, z.B.

  • Wie ist die Gruppe zusammengesetzt? Welche finanziellen Kapazitäten hat sie bzw. jede*r einzelne? Brauchen wir einen Finanzwächter?
  • Wie hoch soll der Gebäudestandard sein, welche Ausstattung wollen wir? Was ist finanzierbar?
  • Nach welchen Kriterien sollen die Kosten verteilt werden, sind solidarische Bestandteile des Finanzierungskonzepts gewünscht?
  • Gibt es außerhalb der Gruppe, die zusammenwohnen möchte, einen Unterstützerkreis, der z.B. private Darlehen vergibt.
  • Erfüllen alle oder einzelne Gruppenmitglieder die Voraussetzungen für bestimmte Fördergelder (z.B. öffentlich geförderter Wohnungsbau, KFW-Darlehen für Familien).
  • Enthält das Konzept Merkmale, die eine besondere Förderung ermöglichen (z.B. Klimaschutz, Pflegeleistungen).
  • Wie machbar ist die Erbringung von Eigenleistungen und wie wirkt sich das finanziell aus?

Wie geht es weiter?

Sind erste Vorstellungen von Rechtsform und Finanzierung entwickelt, sollte für die konkrete Umsetzung fachliche Beratung in Anspruch genommen werden. Je besser diese vorbereitet ist, z.B. durch eigenes Wissen der Gruppe, umso zielführender wird diese Beratung ausfallen.

Wenn die Rechtsform oder auch Rechtsformenmischung entstanden und ein grundlegendes Finanzierungskonzept entwickelt sind, ist ein sehr wichtiger Meilenstein des Wohnprojekts erreicht. Es ist davon auszugehen, dass sehr viel Zeit und Energie und vielleicht auch Geld investiert wurde und alle sind hoffentlich erstmal zufrieden.

Die Themen an sich werden das Wohnprojekt auch weiterhin beschäftigen. Mit der Gründung einer Rechtsform sind laufende Verpflichtungen verbunden. Manchmal sind auch Anpassungen der Rechtsform erforderlich. Das Finanzierungskonzept ist umzusetzen, immer wieder tauchen neue Fragen auf. Die finanzielle Dimension dieser Fragen wird in der Wohnphase kleiner, aber nicht immer auch der Diskusssionsbedarf und das Konfliktpotential.

Weiterführende Wissensquellen:

Es gibt eine Vielzahl von Materialien zu den Themen. Hier eine Auswahl:

WIN für Gemeinschaftliches Wohnen: Umfangreiche Materialsammlung mit Schlagwortsuche

Stiftung Trias: Vielzahl von Publikationen, auch zu den verschiedenen Rechtsformen, Rechtstipps, Überblick: Rechtstipps und ihre Eigenschaften

Stadt Tübingen: Broschüre Formen für Wohnprojekte (PDF)

Heinz Feldmann: Praxishandbuch Leben in Gemeinschaft (Buch)

Eva Stützel: Der Gemeinschaftskompass (Buch)

Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e.V. : Leitfaden für Gruppenwohnprojekte (Buch)

Text: Martin

„Öffentlichkeitsarbeit gestalten“ meint im Zusammenhang mit selbstorganisierten Wohnprojekten die bewusste Entscheidung, in das Quartier, in die Kommune, in die Politik hinein zu agieren. Das ist ja auch per se immer die Intention: wir wollen gesehen werden, wir werben für unsere selbst ge­wählte und organisierte Wohnform, wir werben für das Miteinander im Quartier, in der Stadt.

Da ist die Ebene der Kommune. Wir wünschen uns, dass uns Politik und Verwaltung wahrnehmen. Wir werben für unsere Konzepte, weil wir davon überzeugt sind, dass sie nicht nur uns Bewohner/Innen guttun, sondern auch das Quartier aufwerten, lebenswert machen.

Und wir brauchen Politik und Verwaltung, wir brauchen Wohnungsbaugenossenschaften, Architek­ten, Investoren, Baugesellschaften usw. als Kooperationspartner. Wir brauchen sie besonders schon in einer frühen Phase: ohne Grundstück gibt es kein Wohnprojekt. Also machen wir Wer­bung für uns: guckt mal, was ihr kriegt, wenn wir kommen!

Und in der Initiativ- und Planungsphase kommt mindestens die Ebene hinzu: Wer will mitmachen? Wer mag mit uns gemeinsam an einer neuen Wohnform arbeiten, wer will mit uns dann zusam­menziehen?

Und wenn es uns irgendwann als Wohnprojekt in einem Stadtteil gibt, wünschen wir uns sehr kon­kret: Kommt zu uns, macht mit, nehmt teil an Veranstaltungen in unserem Haus, auf dem Quar­tiersplatz. Fragt uns aus. Erzählt uns, was ihr von uns haltet. Was können wir besser machen? Und erzählt es weiter.

Das Wohnprojekt stattVilla in der Innenstadt hatte eine lange Projektphase vor dem Einzug 2009. Die BewohnerInnen haben viel Öffentlichkeitsarbeit gemacht, haben sehr unterschiedliche Medien genutzt wie Postkarten, Flyer, Website, Zeitungsartikel, Infostände und Infoveranstaltungen, Fahrten zu anderen Wohnprojekten usw.

Ihre Erfahrungen findet man auf der Website des Bielefelder Netzwerks (Link).

Was fehlt?? Hinweise auf Berater*innen: für eine eigene Website, für das Erstellen eines Flyers; Tipps, wie man Tageszeitungen anspricht und die Chance auf Berichterstattungen erhöht; nicht zu­letzt Kontakt mit dem Netzwerk (hört, hört!) …

Text: Martin

Mit Beginn der Bauphase erhöht sich die Pulsschlag noch mal bei allen, die an der Planung betei­ligt waren und nun erleben, dass der Traum eines selbstorganisierten Wohnprojekts in die Reali­sierungsphase übergeht. Nach unzähligen Planungssitzungen, nach vielen Verzögerungen, teilwei­se nach herben Rückschlägen, nach einer Achterbahnfahrt der Gefühle gibt es nun tatsächlich den ersten Spatenstich. Vielleicht wird sogar ein Grundstein gesetzt. Meist wird dieser Tag gefeiert. Dieser Tag markiert tatsächlich einen großen, wenn nicht den wichtigsten Meilenstein im Projekt.

In der Regel geht nun nicht alles seinen ruhigen Gang, sondern es beginnt auch eine Zeit des Auf und Ab: An manchen Tagen, in manchen Wochen läuft alles „wie geschmiert“, ruck-zuck stehen die Kellerwände und wird die erste Bodenplatte gegossen. An anderen Tagen ruht die Baustelle oder man trifft nur zwei oder drei Bauleute an. Und aufmerksame Beobachter entdecken die ersten Feh­ler… Und die Baugruppe muss sich immer wieder zusammensetzen und kurzfristige Entscheidun­gen treffen, nicht selten unter erheblichem Zeitdruck. Da offenbaren sich unvorhergesehene Kos­ten – wie werden diese auf die zukünftigen BewohnerInnen verteilt? Da sind die vorgesehenen Wohnungstüren nicht lieferbar – für welche Alternativen soll man sich entscheiden? Da wünscht sich eine Familie einen veränderten Wohnungsgrundriss, der Auswirkungen auf die Planung der darunterliegenden Wohnung hat.

Eine Investition, die möglicherweise enormen Ärger und auch Kosten vermeiden helfen kann, ist das Enga­gieren eines Bausachverständigen. Insbesondere der Ärger untereinander kann erheblich vermin­dert werden, weil es eine quasi unabhängige fachliche Instanz gibt. Siehe hierzu den Text unter „A bis Z“: „Bausachverständiger“.

Um die Übersicht zu behalten, hat die systematisch Dokumentation von Beschlüssen eine große Bedeutung. Deshalb hier der Verweis auf den Text unter „A bis Z“: Bautagebuch / Dokumenta­tion.

Und sehr wichtig: Wo wird kostenmindernde Eigenarbeit vorgesehen, wer ist wann und in welchem Umfang in der Lage, selbst Hand anzulegen? (Wie) wird diese ggf. gewürdigt? (→ Stichwort: „Ei­genarbeit“ in „…A bis Z“).

Auch zum Thema „Gemeinschaftsräume“ verweisen wir hier auf einen Text, der die konkreten Er­fahrungen einer Projektgruppe widerspiegelt: Raumangebot.

Quer zu den oben genannten Themen geht es praktisch immer auch noch in der Bauphase um die Aufnahme neuer Mitglieder. Ein Bielefelder Projekt hat sich dazu ein Konzept überlegt. Es nennt sich MiReDa („Mitmachen – Reinwachsen – Dazugehören“) und entwickelte sich zu einem Er­folgsmodell. Letztlich geht es dabei darum, die Chancen für eine gute Integration neuer Mitglieder zu erhöhen und damit die Chancen für eine „gute gemeinsame Zukunft“ im Projekt zu steigern.

Hier fehlen mglw. noch Stichworte…??!

Text: Martin

Der Umzug ist geschafft, der Traum ist Realität geworden. Und gleichzeitig war die Erschöpfung selten so groß wie gerade jetzt. Aber die Euphorie des Endspurts hält noch eine Weile an und trägt über die Anfangszeit, in der noch viel improvisiert werden muss.

Menschen aus realisierten Projekten aber berichten fast übereinstimmend, dass innerhalb des ersten Jahres eine gewisse Müdigkeit einsetzt. Das Bedürfnis nach Rückzug ist groß, die ersten Wohnkonflikte stören die Hochstimmung der Bauphase, der Alltag fordert seinen Tribut. Wenn man dies allerdings rechtzeitig im Blick hat und entsprechende Vereinbarungen und Regelungen trifft, darüber hinaus nicht vergisst, immer wieder innezuhalten, die Situation zu reflektieren und schließ­lich auch ausreichend für schöne Momente sorgt (Feste feiern!), ist die Gefahr der zermürbenden Routine nicht mehr so groß.

Die in Bielefeld realisierten Wohnprojekte haben etliche ihrer Erfahrungen notiert und den nachfol­genden Projekten zur Verfügung gestellt (siehe Website…). Zum Stichwort „Feste und Feiern“ fin­det sich folgender Text

Hausordnung“ ist ein weiteres Stichwort. Mit deren Hilfe wird das Potential möglicher Konflikte erheblich reduziert. Aber wie weit sollen die Regelungen gehen?

Stichwort Konflikte. „Konflikte sind normal, anstrengend und langwierig, eine belastende Alltäg­lichkeit. Das wissen wir, aber damit rechnen wir nicht. Darum werden wir von ihnen meistens über­rascht…“. So beginnt der Beitrag einer Mitbewohnerin der stattVilla – und der weitere Text ist sehr hilfreich, denn er zeigt in knappen Sätzen auf, welche Mittel und Möglichkeiten es gibt, Eskalation oder Rückzug zu vermeiden. Der Beitrag endet mit dem Satz: „Wir lernen“. Darin enthalten ist das positive Potential von Konflikten.

In einem Mehrgenerationenprojekt steht das Thema „Familien mit Kindern“ naturgemäß ganz oben auf der Agenda. Da ergibt sich das unterstützende Miteinander fast von selbst. Vorab beden­ken aber sollte man durchaus, welche Regelungen nötig sind, um zukünftige Konflikte möglichst frühzeitig zu vermeiden. Was sich in der Planungsphase nur positiv anhörte, wird nicht selten im Zusammenleben stressig. Auch Kinderlose und Menschen, deren Kinder längst ausgezogen sind, brauchen (mehr oder weniger) ruhige Rückzugsräume.

Immer wieder zeigt sich: gute Kommunikation ist nicht alles (… aber ohne Kommunikation ist al­les nichts). Hier erneut der Hinweis auf das erfahrungsbasierte Buch „Der Gemeinschaftskompass“ der Autorin Eva Stützel (Ökodorf Siebenlinden)

Eine Idee, die das Miteinander verankert: das sog. Freitagscafé, siehe A-Z, Stichwort Café

Themen mit hohem Stellenwert für das gute Miteinander in gemeinschaftlichen Projekten sind Par­tizipation und Teilhabe. Zu diesem Komplex hat das Bielefelder Netzwerk am 1.12.18 eine Ta­gung durchgeführt. Die Schwerpunkte dieser Tagung waren folgende Themen:

Partizipation vereinbaren: Können wir Beteiligung verbindlich machen oder soll sie freiwillig blei­ben? – Über Partizipation streiten: Wie gehen wir mit unterschiedlichem Engagement um? – Parti­zipation lernen: Wie entwickeln wir unser persönliches Engagement? – Partizipation pflegen: Wie bauen wir eine Partizipationskultur auf? – Ausführliche Dokumentation inklusive Auswertung siehe hier: Dokumentation Tagung Partizipation

Zum Thema Entscheidungsprozesse in Wohnprojekten bot das Netzwerk einen Workshop an. Die Arbeitsgruppen befassten sich mit den Themen: Entscheidungsfindung, Diskussionsformen, Moderation, Systemisches Konsensieren. Ein Fotoprotokoll findet man hier: https://bielefelder-netz­werk-wohnprojekte.de/download/2155/

Weitere Aspekte, die die Wohnphase permanent begleiten, finden ihren Niederschlag in Erfahrun­gen, die auf der Website des Netzwerks erläutert werden:

Teilen: Von der Waschmaschine bis zur Zeitung; siehe hier:

Verwaltung: Ein selbstorganisiertes Wohnprojekt ist oft auch ein selbstverwaltetes Projekt; dazu gibt es diverse Erfahrungen; siehe hier:

Nebenschauplätze (Waschküche, Treppenhaus, Laubengang) – auch dies sind wichtige Orte der Kommunikation, die das Gemeinschaftliche fördern, siehe hier:

Garten: Ein flammendes Plädoyer für einen gemeinschaftlichen Garten …

Kreisgespräch: Es klingt vielleicht banal, ist es aber nicht: eine Gesprächsrunde, in der jede/r zu Wort kommt und keine/r kommentiert; siehe: